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Brno & Südmähren

Lednice, Valtice und Mikulov: drei Orte, überraschend viele Entdeckungen

Schlösser, Wasserlandschaften, kleine Monumente und historische Gassen: Selten haben uns so viele Sehenswürdigkeiten auf so kleinem Raum überrascht.

Von coolcation Redaktion · Zuletzt redaktionell aktualisiert am

Schloss Lednice mit neugotischer Fassade, Blumenbeeten und Rasen
Foto: coolcation / eigene Aufnahme

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Viel zu entdecken, ohne weit zu fahren

Für uns lebt diese Ecke Südmährens von der Mischung: große Schlossanlagen, kleine historische Entdeckungen und genug Raum für Spaziergänge und Pausen.

Drei Orte, und immer noch etwas zu entdecken

Manchmal bleibt von einer Reise ein einzelner großer Moment hängen. Bei Lednice, Valtice und Mikulov war es für uns eher die Summe: ein beeindruckendes Schloss, ein Weg am Wasser, ein ungewöhnliches Bauwerk zwischen Bäumen – und kurz darauf schon der nächste Ort, der einen eigenen Besuch verdient. So viele große und kleine Sehenswürdigkeiten auf relativ kleinem Raum haben uns wirklich überrascht.

Die drei Orte liegen im Süden Mährens, nahe der österreichischen Grenze, und lassen sich gut miteinander verbinden. Trotzdem würden wir sie nicht als schnelle Dreierkombination zum Abhaken sehen. Gerade die Wege dazwischen, die Parks und die kleineren historischen Gebäude machen den Reiz aus. Für uns ist das eine Gegend, in der sich ein Wochenende schnell zu kurz anfühlt.

Was ebenfalls hängen geblieben ist: Die Region fühlte sich für uns noch wie ein Geheimtipp an. Wir hatten nicht den Eindruck, ständig von großen internationalen Reisegruppen umgeben zu sein. Das ist unser persönlicher Eindruck, kein Versprechen leerer Schlossparks: Lednice und die Weinorte sind beliebte Ausflugsziele, und an Wochenenden oder bei Veranstaltungen kann es durchaus lebhaft werden.

Lednice: ein Schlosspark, für den man Zeit mitbringen sollte

Das Schloss Lednice wirkt mit seinen Türmen, Erkern und neugotischen Fassaden fast märchenhaft. Schon von außen ist es ein Blickfang. Für uns ist aber mindestens genauso sehenswert, was sich dahinter öffnet: ein weitläufiger Landschaftspark mit viel Wasser, Inseln, Brücken und immer neuen Blickachsen. Das ist nicht bloß ein kleiner Garten, den man nach der Schlossbesichtigung noch schnell mitnimmt.

Gerade das Wasser macht den Spaziergang besonders. Zwischen den Bäumen entstehen Ausblicke über die Teiche, und das Schloss tritt immer wieder in den Hintergrund. Man ist noch in einer gestalteten Parklandschaft und fühlt sich doch stellenweise deutlich weiter weg vom Schlossbetrieb. Unser Tipp wäre deshalb, nicht nur Zeit für Innenräume einzuplanen, sondern dem Park einen eigenen, großzügigen Platz im Tagesprogramm zu geben.

Ein besonders schönes Ziel auf einer längeren Runde ist das begehbare Minarett. Es gehört zu den ungewöhnlichsten Bauwerken des Parks: kein Teil einer Moschee, sondern ein Aussichtsbau aus der Zeit der Liechtensteins. Wer hinaufsteigt, bekommt einen ganz anderen Eindruck von den Wasserflächen, Inseln und der Weite der Anlage. Von oben wird erst richtig sichtbar, wie bewusst diese Landschaft komponiert wurde. Für den Aufstieg sollte man sich etwas Energie aufheben; Zugang und Öffnungszeiten sind vor dem Besuch zu prüfen.

Blick vom Minarett über die Wasserflächen und Inseln im Schlosspark Lednice
Blick vom Minarett über die Wasserflächen und Inseln im Schlosspark Lednice · Foto: coolcation / eigene Aufnahme

Zum Schlossensemble gehört außerdem das historische Palmenhaus mit seiner Glas- und Eisenkonstruktion. Wer Architektur mag, findet hier also nicht nur die prachtvolle Schlossfassade, sondern auch ein ganz anderes Stück Baugeschichte.

Unsere Essensempfehlung in Lednice: Burgr’s Club

Nach viel Schloss und Park darf es für uns auch unkompliziert sein. Im Burgr’s Club in Lednice haben wir sehr gut gegessen. Das ist unser persönlicher Essenstipp für den Ort – eine schöne Pause, wenn man nach dem Spaziergang Hunger hat und nicht noch ein großes Programm aus dem Essen machen möchte.

Valtice: barocke Pracht, Kultur und Wein unter dem Schloss

Valtice setzt einen anderen Akzent als Lednice. Hier steht die barocke Schlossanlage im Mittelpunkt, mit einem großzügigen Ehrenhof und einer ganz anderen Wirkung als die neugotische Silhouette des Nachbarorts. Gerade dieser Unterschied macht die Kombination spannend: Es sind nicht einfach zwei ähnliche Schlösser hintereinander.

Schlosshof von Valtice mit barocker Fassade und bepflanztem Vorplatz
Schlosshof von Valtice mit barocker Fassade und bepflanztem Vorplatz · Foto: coolcation / eigene Aufnahme

Das Schloss war eine wichtige Residenz der Liechtensteins. Heute ist es nicht nur ein Ort für Schlossführungen: Auch Ausstellungen, Konzerte und andere Veranstaltungen finden hier statt. Wer den Besuch plant, sollte deshalb einen Blick in den Veranstaltungskalender werfen. Vielleicht passt nicht nur eine Besichtigung, sondern auch ein Kulturabend zum Aufenthalt.

Auch außerhalb des Schlosses lohnt sich ein kleiner Rundgang. Der Ortskern mit der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und den historischen Gebäuden rund um den Platz gehört für uns zum Gesamtbild dazu. Man muss nicht jede Tür öffnen, um die Atmosphäre des Ortes mitzunehmen.

Unter dem Schloss wartet ein weiteres Thema der Region: der Salon der Weine. In den historischen Kellerräumen wird eine jährlich neu ausgewählte Kollektion tschechischer Weine präsentiert. Wer sich für Wein interessiert, kann hier eine Verkostung in die Reise einbauen. Das ist eine Anregung für die Planung, keine von uns bewertete Weinprobe.

Die Liechtensteins haben nicht nur Schlösser hinterlassen

Was uns an der Gegend besonders gefällt, ist, dass die Sehenswürdigkeiten nicht an den Schlosstoren enden. Über Generationen ließen die Liechtensteins eine ganze Landschaft gestalten: mit Alleen, Teichen, Jagdbauten, Tempeln und Aussichtspunkten. Die Kulturlandschaft Lednice–Valtice gehört seit 1996 zum UNESCO-Welterbe. Die kleinen Monumente sind hier kein nebensächliches Zubehör, sondern ein wesentlicher Teil des Erlebnisses.

Für zusätzliche Entdeckungen würden wir besonders diese Orte auf die Liste setzen:

  • Rendez-vous, auch Dianatempel: ein Jagdpavillon in der Form eines Triumphbogens. Schon die Verbindung von monumental wirkender Architektur und grüner Umgebung macht ihn ungewöhnlich.
  • Die Drei Grazien: ein klassizistisches Ensemble mit geschwungener Kolonnade und einer zentralen Figurengruppe – ganz anders als die beiden großen Schlösser.
  • Der Apollotempel: ein weiterer Aussichtspunkt in der gestalteten Teichlandschaft, der sich gut als eigenes kleines Ausflugsziel eignet.
  • Die Kolonnade auf der Reistna bei Valtice: ein markantes Denkmal mit Aussichtsgalerie. Hier lohnt sich der Blick nicht nur auf den Bau, sondern auch hinaus in die Landschaft.
  • Janův hrad, die Hansenburg: eine romantische künstliche Burgruine. Sie sieht mittelalterlich aus, wurde aber als bewusst inszenierter Jagd- und Landschaftsbau errichtet.

Wir würden daraus keine Pflichtliste für einen einzigen Tag machen. Viel schöner ist es, zwei oder drei dieser Stationen in einen Spaziergang, eine Radtour oder einen weiteren Ausflug einzubauen. Gerade diese Mischung aus bekanntem Schloss und kleinerer Entdeckung ist für uns die Stärke der Region. Bei Innenräumen und Aussichtsgalerien lohnt sich die Prüfung der saisonalen Zugänglichkeit.

Mikulov: Schloss, Altstadt und der Blick zum Heiligen Berg

Mikulov gehört für uns unbedingt dazu. Während Lednice vor allem mit seinem Park und Valtice mit seiner Residenzanlage punktet, verbindet Mikulov das Schloss mit einer historischen Kleinstadt. Das Schloss sitzt auf einem Felsen über dem Ort und prägt die Silhouette schon aus der Ferne.

Schloss Mikulov über einem Tor und einer steinernen Treppe
Schloss Mikulov über einem Tor und einer steinernen Treppe · Foto: coolcation / eigene Aufnahme

Auch hier spielten die Liechtensteins eine Rolle; später prägten die Dietrichsteins den Ort und das Schloss. Heute beherbergt es das Regionalmuseum. Zu den Themen gehören die Geschichte der Region und der Weinbau; ein besonderer Blickfang ist das historische Riesenfass im Schlosskeller. Wer nach Lednice und Valtice noch Lust auf eine Besichtigung hat, findet hier also einen anderen Schwerpunkt als nur weitere prunkvolle Räume.

Rund um das Schloss lohnt sich Zeit zum Schlendern. Der historische Hauptplatz, die Dietrichstein-Gruft und die Gassen der Altstadt liegen nah beieinander. Ebenso gehört die jüdische Geschichte zu Mikulov: mit dem ehemaligen jüdischen Viertel, der Synagoge und dem jüdischen Friedhof. Diese Orte ergänzen das Schlossbild um eine wichtige weitere Seite der Stadtgeschichte.

Blick über Mikulovs Dächer zum Heiligen Berg mit Kapelle
Blick über Mikulovs Dächer zum Heiligen Berg mit Kapelle · Foto: coolcation / eigene Aufnahme

Über der Stadt liegt der Svatý kopeček, der Heilige Berg, mit Kreuzweg und Kapelle. Schon der Blick dorthin ist wunderschön. Wer noch Bewegung und einen Aussichtspunkt in den Aufenthalt einbauen möchte, kann den Aufstieg als eigenen Programmpunkt vorsehen. In der warmen Jahreszeit würden wir dafür eher den Morgen oder späteren Nachmittag wählen als die Mittagshitze.

Radfahren und Weinkeller: die Gegend zwischen den Sehenswürdigkeiten

Dass die Region bei Radfahrern beliebt ist, passt sehr gut zu ihrem Charakter. Zwischen den Orten liegen Weinberge, Teiche, Alleen und immer wieder historische Bauwerke. Eine Radtour kann hier mehrere kleine Ziele verbinden, statt nur von einem großen Besichtigungspunkt zum nächsten zu führen.

Wir würden dafür eine ausgeschilderte regionale Route auswählen und sie nach Kondition und Tagesplan anpassen. Nicht jeder Parkweg ist automatisch eine Radstrecke; die Regeln im Schlosspark und die Wegbeschaffenheit sollte man beachten. Rund um Mikulov und die Weinberge ist es außerdem nicht überall flach. Wasser, Sonnenschutz und etwas Luft im Zeitplan sind im Sommer sinnvoll – Südmähren ist kein garantiert kühles Reiseziel.

Die Weinkultur ist der zweite verbindende Faden. Sie reicht von den Weinbergen über Vinotheken bis zu historischen Kellergewölben und kleinen Weinkellern in den Orten der Umgebung. Wer sich dafür interessiert, kann einen Kellerbesuch oder eine Verkostung bewusst einplanen, statt nur irgendwo ein Glas Wein zu bestellen. Bei kleineren Betrieben empfiehlt sich eine vorherige Anfrage; nicht jeder Keller ist jederzeit geöffnet.

Eine Verkostung und die Rückfahrt sollten dabei getrennt geplant werden – auch auf dem Fahrrad. Mit einer Unterkunft im Ort lässt sich ein Weinabend deutlich entspannter gestalten.

Übernachten: im Schloss oder lieber in einer kleinen Pension?

Für diese Gegend würden wir durchaus ein paar Nächte einplanen. Alle drei Orte kommen als Ausgangspunkt infrage; die Wahl hängt eher davon ab, ob man abends lieber im Schlossumfeld, im kleineren Ort oder in einer lebendigen Altstadt sein möchte.

In Valtice bietet das Schlosshotel Anton Florian tatsächlich die Möglichkeit, direkt im linken Flügel des Schlosses zu übernachten. Wer das historische Umfeld zum Teil des Aufenthalts machen möchte, findet hier eine besondere Option.

In Lednice liegt das Zámecký hotel Lednice im Schlossareal. Das passt besonders gut, wenn der Park einen großen Teil der Reise ausmachen soll. Daneben gibt es in Lednice, Valtice und den umliegenden Weinorten zahlreiche kleinere, familiäre Pensionen – eine reizvolle Alternative zum größeren Hotel.

Für Mikulov ist unser ergänzender Planungstipp das Hotel Galant. Es liegt im Stadtzentrum und verbindet eine praktische Ausgangslage mit Wellness, Sauna und Innenpool. Dazu kommen Restaurant, eigene Brauerei und ein Weinkeller. Das könnte gut passen, wenn man nach Schloss, Altstadt oder einer Radtour noch eine ruhige Pause im Hotel möchte.

Die genannten Hotels sind recherchierte Übernachtungsideen, keine Bewertungen eigener Aufenthalte. Vor einer Buchung sollte man Zimmer, inkludierte Leistungen, Parkmöglichkeiten und gegebenenfalls Fahrradunterbringung für den gewünschten Termin prüfen.

Unser Fazit: klein auf der Karte, groß an Entdeckungen

Lednice, Valtice und Mikulov sind für uns viel mehr als drei Schlösser in der Nähe voneinander. Es ist die Kombination aus Landschaft, Architektur, Geschichte und kleinen Zwischenstopps, die diese Ecke Südmährens so lohnend macht.

Herausragend fanden wir, wie viel es auf engem Raum zu entdecken gibt. Man kann sich für die großen Schlossanlagen Zeit nehmen, dazwischen ein Monument besuchen, am Wasser spazieren, gut essen und noch durch eine historische Altstadt bummeln. Trotzdem hatte die Gegend für uns nicht dieses Gefühl eines vollständig durchgetakteten internationalen Tourismusziels.

Für einen ersten Besuch würden wir Lednice mit ausreichend Parkzeit, Valtice mit Schloss und einem Blick auf das Kulturprogramm und Mikulov mit Altstadt einplanen. Was dann noch offenbleibt, ist kein verpasster Punkt auf einer Liste – sondern ein guter Grund, wiederzukommen.

Links für die eigene Reiseplanung

UNESCO: Kulturlandschaft Lednice–Valtice · Schloss Lednice · Veranstaltungen im Schloss Valtice · Schloss und Museum Mikulov · Mikulov: Sehenswürdigkeiten · Salon der Weine

Persönliche Eindrücke und Essensempfehlung: coolcation. Fotos: eigene Aufnahmen. Historische Angaben und Unterkunftsideen wurden ergänzend recherchiert. Öffnungszeiten, Veranstaltungen und Angebote können sich ändern.

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Quelle zum Anlass: Eigene Reiseeindrücke und ergänzende Recherche ↗